Übersetzung eines Textes in der "Denver Post" vom 24 Jan 2002 von packstyle.de (ohne Gewähr). Quelle: http://www.denverpost.com/Stories/0,1002,118%257E355254,00.html ----------------------------------------------------------------------- Olympischer Eisschnelllauf-Skandal ================================== Eidesstattlichen Versicherungen zufolge haben zwei US-Shorttracker ein Rennen durch geheime Absprache entschieden Von Jim Armstrong, Sportredakteur der Denver Post Donnerstag, 24. Januar 2002 - US-Shorttracker Apolo Anton Ohno, der Favorit auf den Gewinn mehrerer Goldmedaillen bei den bevorstehenden Spielen von Salt Lake ist, hat den Ausgang eines Olympiaausscheidungsrennen durch eine Verschwörung vorbestimmt, um einen Freund ins Olympiateam zu hieven. Das geht aus Eidesstattlichen Versicherungen von Funktionären und Mannschaftkollegen hervor, von denen die Denver Post erfahren hat. Ohno und sein Teamkollege Rusty Smith werden von ihrem früheren Mannschafsgefährten Tommy O'Hare beschuldigt, sich heimlich verbündet zu haben, um den Ausgang des entscheidenden 1000-m-Finales zum Abschluß der Olympiaausscheidung vorigen Monat in Salt Lake City zu bestimmen. Smith und Ohno belegten die Plätze zwei und drei hinter Shani Davis, dessen Sieg ihm als erstem Afroamerikaner die Qualifikation für das US-Olympiateam bescherte. Hätte Davis das Rennen nicht gewonnen, wäre O'Hare statt Davis für die Mannschaft qualifiziert gewesen. Während der Beweisaufnahme für die in Colorado Springs tagende Untersuchungskommission haben drei andere US-Shorttracker unter Eid erklärt, dass sie gehört haben, wie sich Ohno und Smith ausgemacht haben, Davis gewinnen zu lassen. Außerdem haben der Schiedsrichter des Rennens, Jim Chaplin, und der Zeitnehmer Jordan Leight Olds ausgesagt, es wäre offensichtlich gewesen, dass Ohno seine Fähigkeiten ungenutzt gelassen hat. Tony Goskowicz, Co-Trainer der US-Shorttrack-Auswahl, sagte in seiner Aussage unter Eid, dass Ohno nach dem Rennen zu ihm gesagt hätte "Tommy hat am Ende bekommen, was ihm zusteht." Während die Denver Post diese Story recherchierte, begannen Offizielle von der Athletenvertretung IMG am späten Mittwochabend damit, Zeugenaussagen an diese Zeitung zu faxen. Darunter waren unter Eid gemachte Aussagen von drei Schiedsrichter-Assistenten des Rennens, die versichern, nichts gesehen zu haben, was darauf schließen lässt, es wäre kein "sauberes" Rennen gewesen. Zuvor hatte Heather Novickis, Ohnos Manager und Angestellter von IMG, zwei telefonische Bitten der Denver Post um einen Rückruf ignoriert. Das Ende des Verfahrens, das von dem unabhängigen Vermittler James Holbrook geleitet wird, wird für gestern nacht oder heute morgen erwartet. Wenn Holbrook entscheidet, dass das Rennen abgesprochen war, wäre dies einer der größten Skandale in der amerikanischen Olympiageschichte. Für seine Entscheidung ist es fünf vor zwölf, weil O'Hare versucht, an Stelle von Davis ins Olympiaaufgebot zu kommen. Die Olympiaaufgebote müssen bis Montag vollständig gemeldet werden. Falls Holbrook zugunsten von O'Hare entscheidet, muß man abwarten, welche Bestrafung US Speedskatiing, der maßgebliche Verband für diese Sportart, gegen Ohno und Smith (der sogar eine Verleumdungsklage gegen O'Hare eingereicht hat) verhängen wird. Chris Needham, der die Olympiaausscheidung bestritten hat, aber die Qualifikation für die Olympiamannschaft verfehlt hat, sagte unter Eis, dass Ohno nicht nur versucht hat, den Sieg von davis siucherzustellen, sondern auch den im strittigen Rennen Viertplatzierten Ron Biondo von einer besseren Platzierung abgehalten hat. "Es war für mich offensichtlich, dass Apolo Ohno keine Ansrengungen unternommen hat, das Rennen zu gewinnen, vielmehr lief er so, dass Shani Davis gewinnt", sagte Needham. "Apolo blockierte Ron Biondo an den entscheidenden Punkten des Rennens, dann nämlich, als Biondo beschleunigt hatte, um zu überholen. Ich war vor dem Lauf im Umkleideraum, und Apolo Ohno war auch dort. Ich hörte Apolo Ohno dort kurz vor dem Rennen sagen: ,Falls Shani ein paar Runden vor Schluss in Führung liegt, werde ich ihn natürlich nicht überholen.' Ich war auch nach dem Lauf im Umkleideraum. Mehrere Leute, auch ich, unterhielten sich über das Rennen und wie schändlich ein solcher Ausgang sein. Da sagte Rusty Smith: ,Jungs, haltet besser die Klappe'" Ein anderer Shorttracker, Chad Richards, konnte die Olympiaausscheidung zwar wegen einer Verletzung nicht bestreiten, aber er war als Zuschauer da. Richards Aussage unter Eid besagt: "Runde 15, 20 Minuten vor dem Endlauf war ich in der Nähe der Aufwärmfahrräder, auf denen Apolo Ohno und Rusty Smith gerade fuhren. Während sie auf den Rädern waren, hörte ich Apolo zu Rusty sagen: ,Shani hat es verdient, in die Mannschaft zu kommen. Er arbeitet härter als die anderen hier. Ich würde ihn gern in der Mannschaft sehen.' Ich hörte auch, wie Rusty daraufhin sagte: ,Wenn er drei Runden vor Schluss die Führung übernimmt, würde ich ihn nicht mehr überholen.'" "Nach dem Rennen, als Shani das Eis verlies, hörte ich ihn ,Danke! Danke!' sagen. Als Apolo vom Eis auf die Heatbox [Läuferbank, Läuferkabine] kam, stand ich hinter der Heatbox. Da fragte ich Apolo ,Was war denn das?', und er antwortete mir 'Sah es so schlecht aus?'. Ich sagte zu ihm: ,Du hättest Deinen Job nichts zu unternehmen nicht besser machen können.' Daruf fragte Apolo. ,Sagt Ronny sowas?', und ich antwortete: ,Ronny hat gesagt, dass er ab jetzt nicht mehr sonderlich stolz auf diese Mannschaft ist.'" Adam Reidy, der in der Olympiaausscheidung die Qualifikation verfehlt hat, sagte unter Eid aus: "Vor dem Rennen hörte ich, wie sich Apolo und Rusty in der Nähe der Trainerkabine unterhalten haben. Apolo sagte: ,Lass Shani drei Runden vor Schluß ziehen". Nach dem Rennen kam Shani zu Rusty und Apolo als sie gerade das Eis verließen, und ich hörte ihn sagen: "Ich danke euch, ich danke euch so!" Der erfahrene Schiedsrichter Chapin, dem das Rennen anvertraut war, erklärte in einer eidesstattlichen Versicherung: "Es war für mich offensichtlich, das der Ausgang des rennens vorbestimmt war und dass Apolo nicht so gelaufen ist, wie er gekonnt hätte, um das Rennen zu gewinnen. Apolo hätte nach seinen Fähigkeiten zu jeder Zeit des Rennens die Führung übernehmen und gewinnen können. Apolos Verhalten machte Shanis Sieg erst möglich. Für mich war das eine eindeutige und klare Vorführung von billiger Kumpanei, die dem Geist des Fairplay widerspricht, sowie ein schuldhaftes Verhalten gegenüber dem Verhaltenskodex von US Speedskating." "Meiner Meinung nach hat sich Apolo in einer Weise verhalten, die dem Verhaltenskodex von US Speedskating widerspricht sowie das Ansehen und die Ehrer seiner selbst, seiner Mannschaftsgefährten, des verbandes, des Nationalen Olympischen Komittees, der Vereinigten Staaten und der ganzen Olympischen Spiele beschädigt. Weder ich noch einer meiner vier Schiedsrichter-Assistenten hegen irgendeinen Zweifel, dass der Ausgang des Rennens abgesprochen war." Allerdings umfassen die jüngsten nächtlichen Faxe von IMG auch Zeugenaussagen von drei der vier Assistenten Chapins, und zwar Paul Mueller, Steve Geisler und Karen Street. Geisler und Mueller geben in gleichlautenden Erklärungen an, dass ihrer Meinung nach "das Rennen 'sauber' war und ich nicht bezeugen kann dass irgendein Läufer des Rennens gegen die Wettkampfregeln des Verhaltenskodex' verstossen hat." Chapin wurde am Dienstag, dem ersten Tag des Verfahrens, zweieinhalb Stunden lang zur sache vernommen. Als wir ihn am Mittwoch nacht in seiner Heimatstadt St. Louis erreichten, sagte er, dass ewr sich verpflichtet gefühlt hätte, all das zu sagen und dass dies ein offensichtlicher Regelverstoß von Ohno sei. Er wendet sich auch gegen jegliche Aufassungen, dass sich Ohno ... zur Vermeidung einer Verletzung zurückgehalten hat, wie es Ohno nach dem Rennen einem Reporter gesagt hat. "Ich weiß, dass ich von einer Menge Leute keine Weihnachtskarte mehr bekommen werde, aber ich fühlte, dass man das nicht unter den Teppich kehren darf", sagte Chapin, "Ich fühlte, dass war sehr irregulär. Im Grunde liefen alle Fragen auf diese hinaus: 'Warum habe ich nichts dagegen unternommen?' Meine Antwort war, dass es keine Wettkampfregel gab, die das, was hier abging, abdeckte. Aber es verletzt den Verhaltenkodex von US Speedskating. Meine Aufgabe war es alles darzulegen. Ihre [des untersuchungsausschusses] Aufgabe ist es nun, etwas zu unternehmen." Auf Ohnos behauptung angesprochen, er wollte keine verletzung riskieren, sagte Chapin: "Er war im vorigen Jahr die Nummer Eins in der Welt. Diese Referenz spricht für sich selbst." "Bis zu diesem strittigen Rennen war es so, wann immer er überholen wollte - er tat es. Wenn er wirklich keine verletzung riskieren wollte, so denke ich darüber, dann hätte er das Rennen gar nicht zu bestreiten brauchen. Er hatte bereits genügend Punkte. Er hätte seinen Start zurückziehen können. Wer zurückzieht, kann zwar für den renst der Wettkämpfe nicht mehr einsteigen. Na und? Es war das letzte Rennen", meint Chapin. "Wenn einer wirklich auf Nummer sicher gehen will, dann bleibt er einfach hinten, aber genau das tat er nicht. Davis hat zwar das Rennen bestimmt und ist auch eine gute Zeit gelaufen, aber von Ohnos Klasse ist er noch entfernt." Olds, der Zeitnehmer des Rennens, sagte unter Eid aus: "Es war für mich deutlich, dass Apolo Ohno das rennen nicht galufen ist, um zu gewinnen, sondern um Shani Davis den Sieg zu sichern. ... Ebenso war deutlich für mich, dass Rusty Smith Shani Davis hätte überholen können, wenn er es nur gewollt hätte. Während des rennens habe ich deutlich gehört, wie Apolo gerufen hat: "Nicht überholen, keinesfalls!".