Übersetzung eines Textes von Steve Keating, Reuters, vom 20 Jan 2002 von packstyle.de (ohne Gewähr). In eckigen Klammern: Anmerkungen des Übersetzers Quelle: http://dailynews.yahoo.com/h/nm/20020120/sp/olympics_appeals_dc_1.html ----------------------------------------------------------------------- Anwälte entscheiden über die Olympianominierung =============================================== von Steve Keating, Reuters Salt Lake City, Utah. - Einst gab es eine Zeit, da Olympianominierungen ausschließlich durch die Trainer und die Wettkämpfe bestimmt wurden. Doch in der olympischen Neuzeit kann dies ebensogut durch Gerichte und Anwälte geschehen. Für den amerikanischen Shorttracker Tommy O'Hare und den Bobfahrerin Jan Davidson gleicht der Weg zu den Spielen von Salt Lake City, bis zu denen es nur noch drei Wochen sind, einem Paragraphen-Hindernislauf. Dass Qualifikationen damit enden, dass Vermittler und Richter anstelle von Stoppuhren und Leistungsnachweise entscheiden, wer in das olympische Aufgebot kommt, ist ein sich ausbreitenden Phänomän, nicht nur bei den klagefreudigen Amerikanern. Bei den Spielen von Sydney 2000 beklagte das Australische NOK ein Auswahlverfahren, das 48 Einsprüche zu Folge hatte, die 18 der 28 olympischen Sportarten betrafen. Weltweit suchen immer mehr verärgerte Athleten ihr Heil im Zivilrecht anstatt in dem sportlichen System, das sie hervorgebracht hat. schwimmer Suzu Chiba klagte gegen eine Entscheidung, derzufolge sie nicht ins japanische Olympiateam gekommen war, während der deutsche 5000-m-Olympiasieger Dieter Baumann und der 200-m-Europameister Doug Walker (Großbritannien) ihren olympischen Traum ebenfalls über Gerichte wahrmachen wollten. Die Canadian Hockey Association wurde von Nancy Drolet verklagt, nachdem die erfahrenen, sechsfache Weltmeisterin Wochen vor den Sommerspielen aus dem Team genommen worden war. Nachdem immer mehr Athleten diesen Weg beschreiten, hat das kanadische NOK eine neues unabhängiges Streitschlichtungsprogramm beschlossen, geführt von dem früheren Obersten Richter von Ontario, Charles Dubin, der schon die Untersuchungen bei Ben Johnsons Steroid-Skandal zum erfolg geführtbhatte, bekannt geworden als Dubin-Untersuchung. "Es ist wirklich schwer zu sagen, warum die Zahl solcher Fälle so stark zunimmt", sagt Jeff Benz, Generalskretär des Nationalen olympischen komittees der USA (USOC), "in den Staaten gehen wir seit 1978 so vor, dass solche Situationen in ein Schlichtungsverfahren münden. Deren Zahl hat seit 1978 zugenommen, aber ich habe keine genauen Zahlen. Ob es daran liegt, dass die Verbände angreifbarere Entscheidungen treffen? Ich glaube das nicht. Ich glaube, dass die Athleten heute einfach schneller bereit, ihre Rechte in Sachen Nominierungskriterien über einen Anwalt klären zu lassen. Ich glaube aber nicht, dass dies ernsthafte Auswirkungen auf die Fähigkeit des USOC hat, ein starkes Olympiateam zu nominieren." Allerdings könnte der Ausgang der Beschwerden und Rechtsstreite im Falle von O'Hare und Davidson dramatische Folgen für die amerikanische Medaillenausbeute in Salt Lake City haben. O'Hares Vorwurf lautet, dass die Olympiaaausscheidung vom vorigen Monat nicht fair abgelaufen sind, indem sich Apolo Ohno, ein mehrfacher Goldmedaillenanwärter, und sein Mannschaftskollege Rusty Smith verbündet haben, um O'Hare seinen Platz in der amerikanischen Olympiamannschaft streitig zu machen. O'hares Vorwürfen zufolge haben der Weltcupsieger von 2001 Ohno sowie Smith ihrem guten Freund Shani Davis im entscheidenden Qualifiaktionsrennen den Sieg geschenkt. Aufgrund des Sieges strich Davis soviele Punkte ein, dass er [anstelle von O'Hare] sich das Olympiaticket sicherte. Smith hat darauf mit einer Verleumdungsklage gegen O'Hare reagiert, weil ihn die Vorwürfe Sponsorgelder und andere Förderungen kosten. Ein einzelner Vermittler, benannt durch die American Arbitration Association (AAA), hat einen Untersuchungsausschuß einberufen, der ab Dienstag tagt. ... [es folgen Details zum Fall der Bobfahrerein Jen Davidson] Beide Streitfälle müssen bis zum 28. Januar beigelegt sein, denn dann muss das USOC die Olympiastarter beim IOC namentlich melden. Sollten die Entscheidungen aber nicht zur Zufriedenheit von O'Hare und Davidson ausfallen, können sie sich immer noch an das Sportgericht des IOC mit Sitz in lausanne wenden, das von den meisten internationalen Sportverbänden als letzte Instanz anerkannt ist. Ebenso könnten diese Fälle aber auch vor amerikanischen Zivilgerichten landen, weil die Geschädigten einen Schadensersatz für entgangene Einkommen einklagen. "nach unserer Aufassung ist der schlichterspruch binden", sagt Benz, "dort ist der Platz für solche Beschwerden. Wir wünschen uns, dass die Leute dort ihre Streitigkeiten beilegen, wir wollen, dass das fair geschieht."